Mitgliederversammlung mit Ehrungen

Der Saal war gut gefüllt, und keiner bereute, der Einladung des SPD-Ortsvereins in das Haus Wallstraße gefolgt zu sein.
Schon die musikalische Untermalung war ein Genuss: Mit sieben Saxophonen interpretierte das Bläser-Ensemble der Stadtkapelle Seligenstadt gelungen und mitreißend bekannte Stücke.

Das Foto zeigt von links nach rechts:
Michael Gerheim, Stadtrat Manfred Kreis, Eike Gerken, Dr. Reiner Stoll, Reinhard Ehlerding, Heide Wolf, Heidi van Suntum-Herlitze, Altbürgermeister Rolf Wenzel, Gisela Kuhn.

 Der Ortsvereins-Vorsitzende Dr. Reiner Stoll stellte ohne Umschweife Carsten Müller vor, den Sozialdezernenten des Kreises Offenbach.
Dieser hatte für seinen Vortrag “Bezahlbarer Wohnraum” genaue Daten ermittelt.
Carsten Müller zeigte, dass im Kreis Offenbach besonders viele Haushalte auf Wohngeld angewiesen sind.  Im Ostkreis sind es zwar etwas weniger Empfänger von Wohngeld;  aber wenn man genauer hinschaut und die Fälle von Unterstützungszahlungen nach dem 2. Teil des Sozialgesetzbuches nicht vergisst, erhalten allein in Seligenstadt derzeit schon rund 450 Haushalte Ergänzungsleistungen, damit sie ihre Wohnung bezahlen können.  Dieser Bedarf wird weiter steigen.
 
Zusätzlich zu jenem Bedarf fallen viele vorhandene Wohnungen aus der Sozialbindung. In den letzten 25 Jahren hat sich die Zahl der Sozialwohnungen in Hessen halbiert.  Es muss also viel sozial geförderter Wohnraum neu gebaut werden.  Nach den aktuellen Prognosen werden allein für Seligenstadt weit über 1.000 sozial geförderte Wohnungen gebraucht.
 
Es lohnt sich allerdings auch zu sehen, welche Haushalts- und damit Wohnungstypen in den nächsten Jahrzehnten benötigt werden.   
Die Familien- und Mehrpersonen-Haushalte werden deutlich weniger.  Gerade in unserem Gebiet werden viel mehr Wohnungen für Singles oder höchstens zwei Personen benötigt.  Nicht zu vergessen der wachsende Bedarf (+ 61 % !) an Wohnungen für Senioren, die samt dem Umfeld entsprechend barrierefrei ausgestaltet sein sollten und müssen.  In der näheren und weiteren Zukunft braucht es also weniger Einfamilien-Reihenhäuser bisherigen Zuschnitts, sondern mehr Wohnanlagen mit Wohnraum für höchstens zwei Personen — oft auch für Menschen geeignet, die sich nicht mehr so gut bewegen können.
 
Im Anschluss erinnerte Dr. Stoll daran, dass die SPD eine Partei mit Prinzipien ist, die es schätzt, wenn Mitglieder seit vielen Jahren dabei sind und die Ziele und Vorstellungen der Partei unterstützen und fördern. Daher freue er sich, drei langjährige Mitglieder ehren zu dürfen.
Heidi van Suntum-Herlitze erzählte, wie vor 40 Jahren für sie Bundeskanzler Willy Brandt der Anlass war, in die SPD einzutreten und sich zu engagieren.
Reinhard Ehlerding, der seit 50 Jahren dabei ist, war schon mit 17 Jahren SPD-Mitglied geworden. Während seines Studiums waren es Themen wie Notstandsgesetzgebung, die Ost- und Verteidigungspolitik, wo er bei den Jusos aktiv mitwirkte.  Aus dem norddeutschen Raum wechselte der Gymnasiallehrer der Liebe wegen nach Seligenstadt.  Bei der Kommunalwahl 1991 wurde er zum Stadtverordneten gewählt.  Da die Amtszeit des damaligen Bürgermeisters Karl Schmitt mit dem Jahresende ablief, setzte sich Ehlerding für eine Zusammenarbeit mit den Freien Wählern (FWS) ein. Damit war die nötige Mehrheit gegeben, um Rolf Wenzel zum Bürgermeister zu wählen.
Ab April 1993 war Ehlerding dann Fraktionsvorsitzender, 13 Jahre lang, bis zur Kommunalwahl 2006, wo er auf eigenen Wunsch aus dem Stadtparlament ausschied.  Er war bekannt für sein soziales Engagement.  Ein Freund langer Reden und Sitzungen war er nicht; er setzte sich kreativ und präzise für eine sachliche bürgernahe Politik ein.  Rolf Wenzel kam richtig ins Schwärmen, als er von der tollen Zusammenarbeit mit Reinhard Ehlerding erzählte.
 
Eike Gerken ist auch schon über 50 Jahre SPD-Mitglied.  Vielen ist noch in Erinnerung, dass er acht Jahre lang Stadtverordneter und danach 10 Jahre, bis 2011, Stadtrat in Seligenstadt war.   Der gelernte Journalist des Hessischen Rundfunks war in Seligenstadt für genaue sachliche Analysen und sprachlich hervorragende Darstellungen bekannt, die auch von Kollegen anderer Couleur geachtet wurden.  Sein Weggefährte Stadtrat Manfred Kreis bedauert es mit dem Ortsverein, dass er vor 6 Jahren die politische Bühne der Stadt verlassen hat und sich nun, mittlerweile 77 geworden, mehr seiner Familie, den Kindern und Enkelkindern widmet.