Wahlkampf Pfarrer-Kabarett bei Veranstaltung der Seligenstädter SPD
Wahlkampf auf unterhaltsame Art präsentierte die Seligenstädter SPD mit dem Ersten Allgemeinen Babenhäuser Pfarrer(!)-Kabarett – und zog damit am Sonntagnachmittag etwa 150 Zuschauerinnen und Zuschauer in den Jakobsaal des Josefshauses. Der aus Seligenstadt stammende evangelische Pfarrer Hans-Joachim Greifenstein (69) brachte dabei statt Auszügen aus seinem aktuellen Programm „Ketten-Sägen im Greis-Saal“ Erinnerungen an eine weitgehend unbeschwerte Kindheit in der Stadt. Damit leitete er auf so geschickte wie witzige Weise hin zu einer allgemeinen gesellschaftlichen Empörung über eine vermeintlich ungerechte Politik – wobei diese Ungerechtigkeit jeweils sehr individuell verstanden wird.
Wie sehr hier Hessen und seine Menschen eine besondere Verantwortung zukommt: Daran ließ der in Babenhausen nach wie vor tätige Ruhestandspfarrer keinen Zweifel. Denn: „Hessisch ist die Sprache des Herrn“ erhielt das Publikum einen Einblick in die Welt Gottes. Und deshalb ist Hessisch selbstredend kein Dialekt, sondern eine Mundart mit Botschaft. „Woi“ beispielsweise: Natürlich ist Wein gemeint. Der Hesse verwendet aber diese Lautmalerei auch als Kurzform, weil Wein sich am besten in einer „Welt ohne Idioten“ – Woi – genießen lässt.
Die erste Hälfte des Kabarett-Nachmittags war vor allem dem Lokalkolorit mit seinen politischen Graufärbungen gewidmet. Im zweiten Teil widmete sich Hans-Joachim Greifenstein über weite Strecken mit US-Präsident Donald Trump einem Symbol für eine von Egoismus und Rücksichtslosigkeit gekennzeichnete Politik. Musikalische Unterstützung mit der Geige erhielt er hier von der ebenfalls gebürtigen Seligenstädterin Gertrud Etzel. Die Zugabe mit Pointen in Erinnerung an den im Februar 2024 im Alter von 68 Jahren gestorbenen Mitbegründer des Babenhäuser Pfarrer(!)-Kabaretts Clajo Herrmann war nach dem vorherigen Gag-Gewitter eine selbstverständliche Forderung des Publikums.
Dass Kabarett nicht nur unterhaltsam sein kann, sondern auch selbst zur Unterhaltung anregt, dokumentierte auf beredte Weise der Seligenstädter SPD-Vorsitzende Gerhard Albrecht. Der nahm in seiner Begrüßung die eigene Partei liebevoll auf die Schippe und erntete damit den ersten Applaus des Nachmittags. Und wie Wahlkampf auf informative und unterhaltsame Weise zugleich betrieben werden kann, zeigten der Seligenstädter SPD-Spitzenkandidat Michael Gerheim und der ebenfalls auf der Parteiliste für die Stadtverordnetenversammlung kandidierende Stefan Reis. Gerheim und und der frühere Redakteur erörterten im Dialog, inwieweit Politik zur eigentlichen Satire geworden ist und wie im Wahlkampf eine Politik ohne Populismus funktionieren kann.
Pfarrer Hans-Joachim Greifenstein verzichtete auf Gage an diesem Nachmittag, die SPD hatte deshalb um Spenden gebeten für den Förderkreis Lichtblick – eine Elterninitiative, die erreichen möchte, dass Menschen mit Hilfebedarf anerkannt in der Gesellschaft leben und arbeiten können. Wahlkampf auf unterhaltsame Weise kann da tatsächlich Gutes bewirken: An diesem Nachmittag spendete das Publikum 1090 Euro für Lichtblick.




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