Wir brauchen Tagespflege in Seligenstadt

„So wird sichergestellt, dass Pflegebedürftige körperlich und mental gefordert werden, und dies in einem sozialen Umfeld, das das Zuhause oft nicht bieten kann“

Körperlich und geistig fit bleiben:
Mit der Ansiedlung von Tagespflege möchte die SPD Pflegebedürftige und Angehörige entlasten

„Wenn ich das Thema Tagespflege ansprach, bekam ich schon mehrmals zu hören: ‚Tagespflege? Das gibt es doch schon in Seligenstadt!‘“, berichtet Franz Roski, Pressesprecher der SPD-Seligenstadt, aus seinen Erfahrungen. „Da braucht es Aufklärung.“

Nicht verwechseln darf man ‚Tagespflege‘ mit ‚mobiler Pflege‘. Bei mobiler Pflege suchen Pflegekräfte ihre Patienten zu Hause auf, pflegen, und gehen wieder. Organisiert in Pflegediensten, kommen so Pflegekräfte nur zu bestimmten Tageszeiten. „In den großen Zeiten dazwischen ist keiner da“, fährt Franz Roski fort. „Dies hilft zwar zu vermeiden, dass Pflegebedürftige in ein Pflegeheim umziehen müssen. Bei mobiler Pflege sind die Patienten aber lange Zeiten ohne Hilfe und Betreuung. Und sie kommen nicht aus den eigenen vier Wänden“, stellt der Pressesprecher fest, der selber zwei Pflegebedürftige im Haus hat.

Im Wahlprogramm der Seligenstädter SPD ist die Ansiedlung von Tagespflege zu finden. „Bei der Tagespflege kommen die zu Pflegenden morgens in ein Haus/eine Einrichtung und verlassen diese spätnachmittags/abends wieder“, erläutert der SPD-Ortsvorstand. Der Transfer kann auch durch Angehörige oder Fahrdienste erfolgen.
Den ganzen Tag über werden die Pflegebedürftigen je nach Wunsch und Bedarf betreut und gepflegt. Sie werden mit Mahlzeiten versorgt, können lesen, spielen, sich unterhalten, werden zu körperlichen und geistigen Aktivitäten animiert, auch zu kleinen Ausflügen. Sie werden bei Bedarf ärztlich untersucht und behandelt und auch für Friseur-, Fuß- und Nagelpflege ist meist gesorgt. „So wird sichergestellt, dass Pflegebedürftige körperlich und mental gefordert werden, und dies in einem sozialen Umfeld, das das Zuhause oft nicht bieten kann“, erklärt Roski. „Auf diese Weise werden sowohl Pflegebedürftige als auch deren Angehörige erheblich entlastet“, so die Sozialdemokraten. Dieses Modell ist variabel einsetzbar: Je nach Wunsch und Bedarf kann Tagespflege auch auf einzelne Tage beschränkt bleiben.

Als die SPD-Delegation 2019 zu Besuch im Mainhäuser Aureliushof war, erklärte die Geschäftsführerin Anja Kaiser, dass sie die Tagespflege komplett aufgegeben habe. Das passe schwer in ihren Heimbetrieb, und es rechne sich für sie nicht. Jenseits des Mains, im unterfränkischen Karlstein-Dettingen, gibt es dagegen seit vielen Jahren eine Tagespflege (der Caritas), bei der auch sechs Plätze für Seligenstadt zur Verfügung stehen. Ihre Einrichtungsleiterin, Evelyn Wolf, war mit Betriebsablauf und -ergebnissen recht zufrieden. Sie schilderte dem Ortsverein der Seligenstädter SPD: „Wir sind ausgelastet und haben mehrere auf der Warteliste. Wir haben kein Problem, Personal zu bekommen. Die Arbeit hier, tagsüber von montags bis freitags, ist planbar, familienfreundlich und beliebt.“ Pflegebedürftige mit Pflegegrad (gleich welcher Höhe) zahlen pro Tag 16 €. Dafür gibt es Frühstück, Mittagessen mit Nachtisch, Nachmittagskaffee mit Kuchen, Abendessen sowie den Fahrdienst: Abholung morgens von der Wohnung und Rücktransport abends. Die übrigen Kosten tragen Kranken- und Pflegekassen.

Tagespflege hat den großen Vorteil, dass nach Bedarf und sofort betreut, behandelt und gepflegt wird. Dies, gepaart mit der Förderung geistiger und körperlicher Fitness und der Entlastung für die Angehörigen, ist ein wichtiges Instrument generationsübergreifender Sozialpolitik.
Derzeit gibt es Tagespflege nur weit entfernt von Seligenstadt: in Karlstein-Dettingen, Babenhausen-Harreshausen, in Rödermark, oder noch weiter. Das muss sich ändern.

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